Wohnungsbau um jeden Preis?

von Eden für Jeden

Kommentar zum geplanten Bau des Pergolenviertels

Ja, wir brauchen Wohnungen. Insbesondere Sozialwohnungen des 1. Förderwegs. Dass Konversionsflächen wie alte Bahngelände oder leerstehende Krankenhäuser bebaut werden, ist ja grundsätzlich O.K.. Doch weil diese Flächen häufig privaten Eigentümern gehören, werden sie zu Höchstpreisen verkauft und – wen wunderts- es entstehen Eigentumswohnungen oder Wohnungen zu teuren Mietpreisen. Dies ist z. B. in Winterhude gut zu beobachten. Die Stadt möchte sich nicht mit den Investoren anlegen und ihnen Vorschriften machen, was sie denn zu bauen hätten. Nun müssen aber irgendwo die Sozialwohnungen entstehen, da bleiben nur die städtischen Flächen übrig. Im Fall des geplanten Pergolenviertels sind das Grünflächen und Schrebergartenanlagen, ein wichtiger Rückzugsraum für Kleintiere, ein wichtiges Areal gegen Klimaveränderung und steigenden Temperaturen sowie eine Erholungsfläche für uns Menschen in einer immer voller und hektischer werdenden Stadt. Sicherlich macht man sich keine Freunde, ein solches Gebiet für immer ausradieren zu wollen. Da kann einen das Argument, 60% geförderten Wohnraum zu versprechen in einer aufgeheizten Bevölkerung, der bei jeder Gelegenheit die Wohnungsnot eingetrichtert wird, helfen. Aber was sind diese geplanten 60% geförderte Wohnungen? Und was ist der Rest, für den ja auch jede Menge Grün geopfert wird? Laut Protokoll des Planungsbeirates vom 28.08.2013 unterteilen sich diese 60% in Sozialwohnungen
nach dem 1. Förderweg und nach dem 2. Förderweg sowie geförderte Baugemeinschaften. In den 60% sind außerdem 10% der Wohnungen für betreutes Wohnen und Wohnen für Menschen mit Behinderungen enthalten.

Interessant ist auch die Aussage in eben jenem Protokoll, dass die Anzahl der Wohnungen nach dem 1. Förderweg mindestens einem Drittel der Anzahl der Wohnungen nach dem 2. Forderweg entsprechen soll. Anders ausgedrückt: Es werden weitaus weniger Wohnungen nach dem 1. Förderweg gebaut als nach dem 2. Förderweg!! Der Unterschied: Wohnungen nach dem 1. Förderweg haben eine Höchstmiete von 6,00 €/qm (Nettokalt) und Wohnungen nach dem 2. Förderweg eine Höchstmiete von 8,10 €/qm. Nur mal so zum Vergleich: Im letzten Hamburger Mietenspiegel von 2011 sind für Wohnungen in normaler Wohnlage mit Baujahr 1994-2010 als Mittelwert ca. 9,00 € (bei großen Wohnungen über 90 qm ist der Wert höher) angegeben. Und in den Mietenspiegel gehen Mieten von Mietwohnungen auf dem freien Markt ein.

Also nochmal anders ausgedrückt: Wirklich "bezahlbare Wohnungen", die deutlich unter den sonst üblichen Mieten liegen, für Menschen mit wenig Geld werden nur die wenigsten Wohnungen im Pergolenviertel sein. Wenn also von den 60% der 1400 Wohnungen (das wären dann 840 Wohnungen minus 10% für betreutes Wohnen = 756 Wohnungen) sagen wir mal tatsächlich 567 nach dem 2. Förderweg gebaut werden, würden dann lediglich knapp 189 Wohnungen nach dem 1. Förderweg entstehen. Das was man allgemeinhin unter „Sozialwohnung“ versteht. Übrigens hat in Hamburg mittlerweile jeder 2. Haushalt Anspruch auf eine Sozialwohnung. Und obendrauf kommt noch: Wissen Sie wie lange uns die Wohnungen des 1. und 2. Förderweges als Sozialwohnungen erhalten bleiben? Läppische 15 Jahre. Dann wird die Miete steigen (z.B.durch Sanierungsmassnahmen oder indem sie schrittweise dem Mietenspiegel angepasst wird, oder die Wohnungen werden als Eigentumswohnungen verkauft) und die Menschen, die darin wohnen, müssen sich erneut auf die Suche begeben und vielleicht ihren Stadtteil, ihre Schulen und ihre Freunde und Nachbarn verlassen. 15 Jahre sind eine kurze Zeit. Dafür sollten wir Hamburger nicht unser wichtiges Grün hergeben. Da bleiben nun noch die 40% Wohnungen, immerhin 550 Einheiten, die Eigentumswohnungen werden oder als hochpreisige Mietwohnungen über den Ladentisch gehen. Auch dafür geben wir Hamburger Grün her.

Man muss sich bei diesen ganzen Planungen des Bezirkes klar sein, dass es sich lediglich um Ankündigungen handelt und nichts davon bisher vertraglich festgelegt ist oder rechtliche Folgen hat. Schon oft wurden bestimmte Miethöhen und Baupreise versprochen, die dann nachher doch nicht eintraten. Dann wird gesagt, „das war vorher nicht absehbar“.

Andernwo in Hamburg stehen weit über 1 Mio. m² Büroflächen leer oder es werden gar neue Bürogebäude (!) errichtet wie z.B. das 15-stöckige Gebäude das am Barmbeker Bahnhof geplant ist. Die Saga/GWG hat letztes Jahr 750 bewohnbare Wohnungen über 1 Jahr lang leerstehen lassen, vermeintlich aus Spekulationsgründen. Eines der Grindelhochhäuser steht seit fünf Jahren leer. Auch der Leerstandsmelder zeigt, wo es Leerstand in der Stadt gibt, der gesetzlich doch eigentlich nicht länger als 3 Monate erlaubt ist, doch die Behörden greifen nicht ein. Zurzeit fallen viele Sozialwohnungen aus der Sozialbindung. Warum entschließt sich die Stadt nicht, die Bindungen zu verlängern? Sozialwohnungen des 1. Förderweges werden aus Gründen der Durchmischung an Gutverdienende vermietet, Wohnungen werden in dieser Stadt haufenweise fehlgenutzt als Praxen oder Ferienwohnungen und niemand greift ein. Wohnraum kann woanders geschaffen werden. In Anbetracht dieser noch nicht abschließenden Liste fragt man sich, warum Grün, das seit 90 Jahren wächst, für immer ausradiert werden soll. Was weg ist, ist weg! Für immer.

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